David ben Nathaniel

Aus Kreiswanderer

Die Geschichte David ben Nathaniels niederzuschreiben, erwies sich als komplizierter als ich es zuerst annahm. Denn er selbst war zum Zeitpunkt unseres Zusammentreffens im Jahr 1918 nicht mehr in der Lage mehr als zusammenhangloses Gestammel von sich zu geben. Jedoch konnte ich aus diesem und aus überlieferten Schriften – den Rest habe ich durch einen Pakt mit dem Herrn des Wissens erfahren – mein Werk zusammenstellen.

Geboren ist er 82 v. Chr. als Sohn eines jüdischen Krämers aus Israel – Nathaniel ben Isaac – und schon früh offenbarte sich ihm die Berufung des Rabbiners. Dieser kam er auch lange nach, bis zu einem Ereignis, welches einen Wendepunkt seiner selbst sowie seiner Seele auslöste. Er stieß während eines seiner Aufenthalte in der Bibliothek zu Alexandria 48 v. Chr. auf eine alte Schrift über Geister, die als allwissend gelten. So folgte er der Anleitung zur Anrufung dieser und tatsächlich erschien ihm eine Kuttengestalt, die aufgrund der Hitze der Schmieden des Großen Feldherrn jedoch heiß genug war, um die Bibliothek vollständig niederzubrennen. Dabei kam David ben Nathaniel ums Leben, während er noch die Frage stammelte, was denn nach dem Tod käme und somit den Pakt besiegelte.

So wurde er in den zweiten Kreis gezogen, die ausführende Instanz war ja bereits bei ihm, und da der Legiosci – wie er diese Wesen später nannte – seine Frage nicht mit Worten beschreiben konnte, zeigte er ihm, was David ben Nathaniel nach seinem Tod zu erwarten hatte: „den unmöglichen Ort – den Hort allen Fortschritts – die Zitadelle des Wahnsinns“ und schließlich sein Ende, den schwarzen See. Da ein Pakt mit den Legiosci vorsieht, den Paktierer lebend in die eigene Welt zurückzuführen, wurde schließlich ein neuer Körper geschmiedet und die Seele wieder freigelassen. Der Preis jedoch für die Erkenntnis, war der Verlust des Glaubens und des Verstandes.

David ben Nathaniel kehrte also in die Welt der Lebenden zurück und setzte seinen Beruf als Rabbiner fort, wenn nun auch mit anderen Ansichten und anderen Geschichten. Ein Teil seiner Predigten wurde schriftlich festgehalten, ich werde sie an meinen Eintrag anhängen.

Nach einem für diese Zeit unnatürlich langen Leben kehrte die Seele David ben Nathaniels 18 n. Chr., exakt 66 Jahre nach seiner Wiederbelebung im Alter von 100 Jahren, schließlich in den zweiten Kreis zurück, wo sie durch sein Vergehen, unwissentlich der Menschheit Schaden zuzufügen – indem er die Bibliothek zerstörte – in den schwarzen See geworfen wurde, wieder und wieder ertränkt, bis seine Buße um war und er 1894 wieder ins Leben zurückfand, als ein jüdischer Kaufmann mit Namen Nathaniel in den USA einen Sohn bekam und ihn David nannte.

David ben Nathaniel, in seinem zweiten Leben wurde er Wissenschaftler. Als er aber von einem Kollegen – Pedro Berrics – einen Weg erfuhr, unbegrenztes Wissen zu erlangen, sollten sich seine Wege mit den Dämonen wieder kreuzen. Von Wissensdurst angetrieben brach er 1916 in die Schwarze Bibliothek des Herrn des Wissens ein und entwendete ein Buch: Die Encyclopaedia de Daemonibus, worin er nun detailreiche Informationen zu den Dämonenfürsten fand.

Diese Aktion löste nun natürlich eine Jagd auf ihn aus, da dies ein Wissen ist, welches nicht für den Menschen gemacht ist. So wurde er – durch die zermarterte Seele, den Einbruch in die Hölle, den Konsum des Buches und schließlich durch die Jagd selbst – wahnsinnig und 1917 von einem Psychologen namens Dr. Joseph Lucas Bishop gefunden, der versuchte, ihn zu behandeln, bis er ihn schließlich an Dr. Ferdinand Felhamer verwies, einen Experten für Wahnvorstellungen, der ebenfalls schon mit Dämonen in Kontakt kam. Eine Seite der Aufzeichnungen Bishops habe ich aus seinem Notizbuch rekonstruieren können, ich werde sie an diesen Eintrag anhängen.

David ben Nathaniel war also in der Hand eines Menschen mit Kontakten zur Hölle. Als solcher konnte er nun natürlich leicht gefunden werden, weswegen er mittlerweile als Sucher in der schwarzen Bibliothek dient.

— Eintrag eines Chronisten zu David ben Nathaniel

Anhänge:

Aufzeichnungen des Psychologen Joseph Lucas Bishop zu David ben Nathaniel

Patient 21

Große Neugierde für obskure Themen wie Dämonenkunde oder Mythologie

Probleme mit bekommenem Wissen

Große Furcht vor größeren Büchern – wohl spielt die Zeichenanzahl eine Rolle für ihn

Im offenen Gespräch fast normal

Wachsende Ungeduld im Laufe des Gespräches – undefinierbare Reaktion

Beendigung der Sitzung vorzeitig aufgrund von großer Unruhe des Patienten

Abwehrhaltung gegen die SaC, welche ihn wohl schon im Griff hatten. Aber auch Anzeichen eines Kreis-I-Paktierers (Furcht vor den OL). Wohl aus den Hallen des Wissens gestohlen oder Ähnliches.

Sitzung 34

„Ich habe Wissen, welches mich töten könnte“

„Ich werde verfolgt von Wesen, die meinen Verstand fordern wollen! Doch sie werden ihn nicht bekommen!“

„Die Zeichen... Sie bedrängen mich! Jedes Buch will mich anstarren! Sie suchen mich!“

„Ich kenne das Gesicht des Meisters allen Wissens und weiß, dass ich es nicht kennen will.“

„Ich bin bereits in der Hölle gewesen, ich will nicht wieder zurück! Wissen Sie wie das ist, wieder und wieder zu ertrinken?“

„Das Papier hat mich schon einmal betrogen, es wird es wieder versuchen!“

„Und der Berg war die Statt und das Ende und der Kreis und das Tor und das – “ verfällt in abwesendes Schweigen, aus welchem er nicht von allein erwacht

„Der unmögliche Ort – Der Hort allen Fortschritts – Die Zitadelle des Wahnsinns!“

Seite 301

Zustand des Wahnsinns unverändert und weit fortgeschritten

Bedeutung der Metaphern mir weiterhin unbekannt

Vermutung von Paranoia und Wahnvorstellungen des Gesichtssinnes festigt sich

Wohl Kognitive Beeinflussung durch ein Traumatisches Erlebnis in näherer Vergangenheit

Weitere Klassifikation des geistigen Zustandes ausstehend

Methoden mit Dr. Ferdinand besprechen. Abgabe vorbereiten.

Was weiß er? Was hat er gesehen?

Nächste Sitzung: Eingehen auf das tödliche Wissen

Verm. 36/11/01: Möglicherweise mythologischen Ursprungs. Weitere Sitzung hat nie stattgefunden. Spur wird weiterverfolgt. Kommentar 4.12 in WdT beschreibt ähnliche Wesenheiten. Verfolgung mit BLSW ausstehend.